Zypern

Die Herbstferien begannen am 16.10.26. Aufgrund eines Volleyballspiels am 18.10. konnte ich erst am Montag in den Urlaub fliegen. Mir fehlten nur noch drei Länder in Europa: Zypern, Belarus und Ukraine. Aufgrund des andauernden Krieges, war also nur Zypern möglich.

Ich flog also am Montag um 11.30 Uhr von Düsseldorf nach Larnaka. Die Flugzeit betrug 3.30 Stunden. Zypern ist Deutschland eine Stunde voraus. Vorab hatte ich bereits einen Mietwagen gebucht. Da ich nur mit Handgepäck unterwegs war, konnte ich direkt den Flughafen verlassen. Per Shuttle wurde ich zu meinem Auto gebracht. Achtung: Auf Zypern herrscht Linksverkehr.

Ich hatte eine Unterkunft in Pissouri gebucht. Die Fahrt dorthin dauerte etwas über eine Stunde und führte fast nur über Autobahnen. Allerdings wurde es ab 18 Uhr bereits dunkel. Ich kam um 18.45 Uhr am Hotel an. Zuvor hatte ich eine Nachricht erhalten, dass der Schlüssel stecke und ich einfach hineingehen könne. Das Internet erwies sich als mau und überhaupt war die Ausstattung spartanisch. Eigentlich sollte es gutes Frühstück geben, aber in der Nachricht stand auch, dass das Restaurant geschlossen sei. Ich hatte direkt das Gefühl, dass auf Zypern bereits Off-Season war.

Für den nächsten Tag hatte ich eine Wanderung von Komoot geplant. In einem kleinen Supermarkt am Pissouri Square kaufte ich zuvor noch Proviant und Frühstück und machte mich dann auf den Weg. Es ging zunächst Richtung Küste und da Zypern sehr bergig ist und Pissouri weit oben liegt, war der erste Teil bergab.

Die Wanderung machte von Anfang an Spaß. Das Wetter war mit 28 Grad und leichtem Wind hervorragend. Es ging zu einer Bucht, die aufgrund ihrer schlechten Erreichbarkeit nicht besucht war. Von hier hatte man aber einen herrlichen Blick auf die schöne Steilküste. Leider handelte es sich um einen Kiesstrand.

Der nächste Abschnitt führte teils recht steil wieder nach oben. Anschließend ging es recht lange oben auf den Felsen entlang, bis wieder ein Abstieg auf Meereshöhe folgte.

 

Der Strand von Pissouri war nun schon in Sichtweite, allerdings musste man nochmal ein Stück den Felsen hoch. Nach 2,5 Stunden gönnte ich mir ein Sonnenbad am Strand. Leider gab es hier auch nur Kies und das Wasser war recht frisch. Da ich kein Geld für eine Liege ausgeben wollte, legte ich mich auf einen schwimmenden Steg.

Gegen 15 Uhr brach ich wieder auf. Die letzte Etappe zurück zum Auto führte natürlich wieder bergauf in den Ort. Am Ende hatte ich 14,6 km in 3,5 Stunden zurückgelegt. Die Wanderung war wirklich schön, aber ich habe nur wenige andere Leute getroffen abgesehen vom Strandaufenthalt.

Screenshot

Ich hatte meine Pläne ein wenig geändert und erst am Strand die nächste Unterkunft gebucht. Abends fuhr ich dann noch eine Stunde weiter nach Polis im Norden, wo ich in einem Appartement Hotel unterkam. Überhaupt gab es wenig normale Hotels geschweige denn Hostels. Fast immer waren es Gebäudekomplexe mit Appartements.

Am Mittwochmorgen ließ ich mir viel Zeit. Eigentlich wollte ich noch in der Unterkunft frühstücken, aber die Auswahl überzeugte mich nicht. Kurzerhand lief ich zu einem Café und holte mir dort etwas zum Essen. Im Supermarkt nebenan deckte ich mich für meine nächste Wanderung ein.

Zum Startpunkt musste ich noch ca. 15 Minuten fahren. Es handelte sich um den Aphrodite Trail. Es gab einen kostenlosen Parkplatz und diesmal waren noch weitere Wanderer unterwegs.
Zu Beginn ging es durch einen botanischen Garten am Bath of Aphrodite vorbei.

Der weitere Weg führte stetig bergauf, bis man oben auf einem Berg angekommen war und einen super Ausblick hatte. Von hier konnte man auch eine der vielen blauen Lagunen sehen. Ich hatte schon zuvor beschlossen, die eigentliche Tour um einen Abstecher dorthin zu erweitern.

 

Vom Fuße des Berges waren es noch ca. 3 km recht flach zur Lagune. Diese bot leider nicht viel Liegefläche und die Mehrheit der Besucher kamen daher per Boot. Alternativ kann man sich auch ein Quad/Golfkart mieten und vom Parkplatz aus zur Bucht fahren. Da die Piste recht holprig ist, sollte man nicht unbedingt das normale Auto nehmen.
Ich suchte noch einen Sonnenplatz und las ein bisschen, bevor ich mich vor Sonnenuntergang auf den Rückweg begab.

Am Parkplatz kaufte ich noch ein Eis, was wirklich hervorragend schmeckte. Gegen 18 Uhr fuhr ich dann zu meiner nächsten Unterkunft nach Pegeia. Die Fahrt dauerte nur 40 Minuten. Die Bewertungen bei Booking waren recht schlecht, aber die Auswahl war nicht groß und ich fand das Zimmer völlig in Ordnung, auch wenn es in die Jahre gekommen war.

Am nächsten Morgen schien ich der einzige Gast der Unterkunft zu sein und so war ich ganz alleine im Frühstücksraum. Für 7,50 € bekam man ein englisches Frühstück serviert, was mir sehr gelegen kam.

Anschließend fuhr ich 5 Minuten zum Schiffswrack vor der Küste. Parken konnte man hier entspannt kostenlos.

Nach ein paar Fotos ging die Fahrt 15 Minuten weiter zur Avakas-Schlucht.

Die Karte hatte mehrere Parkplätze angezeigt. Ich ließ mich dann verleiten, den erst größeren zu nehmen, weil dort auch viele andere Leute waren. Man hätte aber auch noch 1 km näher an den Eingang der Schlucht fahren können. Das wäre allerdings mit einer sehr holprigen Strecke verbunden gewesen, also fand ich es nicht so schlimm, noch weiter laufen zu müssen.

Obwohl ich im Internet schon gelesen hatte, dass die Schlucht gesperrt sei und auch ein Schild hierauf aufmerksam machte, war es definitiv die vollste Wanderung. Auf dem Parkplatz am Eingang standen auch Touranbieter und die Leute kamen mit teilweise in Gruppen entgegen.

Bis zum richtigen Beginn der Schlucht muss man noch ein Stück gehen. Dann hatte man aber einen schönen Blick auf die Enge zwischen den Felswänden.

 

 

Der Weg war leicht matschig und die Steine, über die man klettern musste, dadurch sehr rutschig. Je weiter ich durch die Schlucht kraxelte, desto weniger Leute traf ich. Viele gingen scheinbar nur ein Stück hinein, machten ein paar Fotos und kehrten um.

Auf der Karte hatte ich aber gesehen, dass man bis zum Ende gehen konnte und sich dort ein Ausstieg befand, sodass man oben entlang der Schlucht wieder zurückging. Da ich ein Fan von Rundwegen bin, war dies mein Ziel.

Teilweise musste man wirklich viel klettern und sich gut festhalten, um auf den Steinen nicht abzurutschen. Im Endeffekt kam ich aber trockenen Fußes ans Ende. Das Warnschild mit den fallenden Steinen war übrigens nicht unbegründet. Einmal flog nur wenige Meter von mir ein Stein hinunter, weil ob an der Felswand Ziegen herum kletterten.

Am Ende führte dann ein recht steiler Weg hinauf. Oben angekommen war der Weg nicht ganz so ersichtlich und ich drifftete immer mal wieder ab. Zum Glück hatte ich Komoot, was mir die Orientierung erleichterte.

Nach ca. drei Stunden war ich dann wieder zurück am Parkplatz. Die Wanderungen hatte mir wirklich gut gefallen.

Im Anschluss musste ich ein recht weites Stück fahren, da ich vom Westen der Insel in den Südosten wollte. 2.15 h veranschlagte das Navi. Gegen 13.30 Uhr brach ich am Parkplatz der Schlucht auf.

Ich hatte als Ziel Nissi Beach in Agia Napa eingegeben. Das sollte einer der schönsten Strände von Zypern sein. Ich war auf jeden Fall in einer Touristenhochburg gelandet und zum ersten Mal war es schwierig einen kostenlosen Parkplatz zu finden. In einer Seitenstraße hatte ich dann aber Glück. Tatsächlich handelte es sich endlich mal um einen Sandstrand, aber er war unfassbar überlaufen. Es wurde viel Alkohol getrunken und in der nahe gelegenen Beachbar gab es eine Schaumparty. Für die letzten paar Sonnenstrahlen war es aushaltbar.

Um kurz vor 17.30 Uhr kam ich an meiner Unterkunft an. Diesmal übernachtete ich zwei Nächte in einem Appartement-Hotel mit Pool und Frühstück.

Für den nächsten Tag hatte ich eine Tour bei Get your Guide zur Geisterstadt Varosha gebucht. Eigentlich stand in der Beschreibung 8 Uhr Abholung, aber leider ging es dann schon um 7 Uhr los. Ich war das frühe Aufstehen gar nicht mehr gewohnt. Dazu kam, dass es eine große Gruppe im Reisebus war. Beim Einstieg in den Bus mussten wir alle die Pässe abgeben, da wir ja über die Grenze mussten, also die EU verlassen und in die Türkei einreisen.
Der Guide sprach recht undeutlich Englisch, was auch schon in den Bewertungen stand. Aber er war wohl in Varosha aufgewachsen und konnte damit gute Infos aus erster Hand liefern.
Zur Einordnung: Zypern ist zweigeteilt. Die Türkei hat den Norden besetzt. Im Rahmen dieser Übernahme ist Varosha, was einst ein Luxusreiseziel war, dem Kampf der Länder zum Opfer gefallen. Die Zyprer griechischen Ursprungs verließen den Ort. Ihnen gehört auf dem Papier aber immer noch das Land. Laut UN darf die Türkei es nicht nutzen und daher ist alles verfallen, bis es irgendwann eine Einigung gibt. So oder so ähnlich die Kurzfassung.
Die Stadt bzw. genau genommen ist es ein Stadtteil von Famagusta wirkt wie ein Filmset aus „The walking dead“. Der Eintritt war kostenlos.

 

An der Grenze hatten wir noch einen weiteren Guide eingesammelt, den man besser verstehen konnte und der auch recht lustig war. Ihm konnte man während eines Spaziergangs durch die verlassenen Gassen noch jede Menge geschichtliche Fragen stellen.

Anschließend fuhren wir in eine von Mauern umgebene Altstadt. Dort hatten wir 1.40 h zur freien Verfügung, bevor es wieder zurück nach Agia Napa ging. Interessant war: Aus der Kathedrale in der Stadt war durch das Hinzufügen eines Minaretts einfach eine Moschee gemacht worden.

Die Tour war mit vier Stunden beworben worden. Als mir meine Abholzeit mitgeteilt wurde, hieß es, dass wir um 13 Uhr zurück wären. Im Endeffekt war es aber fast 14 Uhr. Für mein Empfinden war die Tour ein bisschen zu lang.

Ich wollte nachmittags noch die Sonne am Strand genießen. Am Musan Beach gab es Skulpturen unter Wasser. Ich ärgerte mich, dass ich meine Schnorchelausrüstung und die Unterwasserkamera nicht mitgenommen hatte. Aber ohne Equipment lohnte es sich leider nicht.

Nach zwei Stunden Sonne tanken, wollte ich noch ein paar Fotospots an der Küste abklappern. Also brach ich gegen 16.30 Uhr auf und fuhr zunächst zu den nah gelegenen Sea Caves. Hier konnte man wirklich ein paar gute Bilder machen.

Dann stoppte ich an der zweiten Blue Lagoon, die aber eher enttäuschend war.

Passend zum Sonnenuntergang wollte ich wie empfohlen zum Cap Greco. Hier war ich überrascht, dass man gar nicht bis zum Ende der Halbinsel kam. Ich war nicht die einzige mit der Idee und so füllte es sich langsam. Aber immer wieder verließen auch Leute den Ort. Ich wusste nach 15 Minuten dann auch warum. Ich wurde nämlich in kürzester Zeit zerstochen und die anderen eben auch. Daher trat ich auch den Rückzug an. Das war es mir nicht wert.

Ich stoppte kurz vor Sonnenuntergang an der Bridge of Love. Hier hatten sich auch recht viele Leute versammelt. Tatsächlich war es auch nicht der schlechteste Sonnenuntergang, den ich je gesehen hatte.

Ich fuhr um 18 Uhr zurück zur Unterkunft und buchte noch schnell eine Massage für 19 Uhr, um den Tag perfekt abzurunden.

Der letzte Tag brach an. Da ich schon ein schlechtes Gewissen hatte, dass ich mich zu wenig bewegen würde, begann ich mit einer 8 km Laufrunde an der Küste entlang.

Dann frühstückte ich im Hotel und checkte aus. Da ich noch etwas Zeit hatte, legte ich mich an den Pool.

Mittags fuhr ich zur Hauptstadt Nikosia (Achtung: Vor Ort heißt es Lefkosia.). Die Fahrt dauerte eine Stunde. Ich fand zum Glück einen kostenlosen Parkplatz in der Nähe vom Famagusta Gate.

Dann spazierte ich zur Ledra Street, der Fußgängerzone in der Altstadt.

Hier befand sich auch der Grenzübergang zum türkischen Teil. Man muss ganz offiziell an zwei Kontrollpunkten seinen Ausweis zeigen. Auf der türkischen Seite herrschte reges Treiben in engen Gassen. Hier gab es viele kleine Shops mit vermutlich Fake-Markenkleidung. An der Grenze waren sogar mehrere Schilder, dass man keine Produktplagiate (auf dem Rückweg) einführen darf.

Auch hier war wieder aus einer Kathedrale eine Moschee (Selimiye-Moschee) gemacht worden, indem einfach ein Minarett ergänzt wurde.

 

Nach ca. zwei Stunden Aufenthalt machte ich mich auf den Weg zur Abgabe des Autos. Von Nikosia waren es nur noch 40 Minuten bis zum Flughafen in Larnaka. Ich tankte noch schnell voll und dann verlief die Abgabe reibungslos und ich wurde wieder am Flughafen abgesetzt.

Dort war es erstaunlich voll. Die Sicherheitskontrolle dauerte recht lange. Ich war zum Glück zwei Stunden vor Abflug da. Der Flieger hatte dann aber zusätzlich eine halbe Stunde Verspätung. Abends um 22.45 Uhr landeten wir in Düsseldorf.

Fazit: Ich hatte mich wenig auf die Reise vorbereitet und kaum Erwartungen. Dafür wurde ich positiv überrascht. Auch wenn der erste Eindruck vom Landesinneren nach Sandhügel mit Dornenbüschen aussieht, waren die Wanderungen wirklich toll mit sehenswerter Landschaft. Die Strände im Westen waren nicht die schönsten. Aber es gab sehr viele Buchten mit türkisfarbenem Wasser. Außerdem fiel mir die Sauberkeit positiv auf und an den Stränden gab es kostenlose, gepflegte Toiletten.

Verkehr: Es herrscht Linksverkehr. Die Straßen sind gut ausgebaut und es ist auch nicht so voll, da die Insel nicht so dicht besiedelt ist. Parken konnte man überall kostenlos. Die Städte haben verschiedene Namen/Schreibweisen, was verwirrend sein kann.

Wanderungen: Man konnte alles ohne Eintritt machen, aber die Wanderungen waren entweder gar nicht oder schlecht ausgeschildert.

Sonstiges: Die Unterkünfte waren eher in die Jahre gekommen und es gab viele Straßenkatzen, dafür aber kaum Hunde.